Donnerstag, 23. Oktober 2014

Stadt- oder Landleben: Eine Überlegung

Vor Kurzem hat mich eine liebe Leserin gefragt, ob ich nicht mal drüber schreiben möchte, ob unsere Entscheidung aufs Land zu ziehen, die richtige für uns war. Tatsächlich denke ich schon länger darüber nach einen solchen Post zu schreiben, allerdings fehlte mir bis jetzt die richtige Stimmung mich konkret mit dieser Frage auseinanderzusetzen.


Dabei ist es eigentlich ganz einfach. Es war die richtige Entscheidung zurück in die Heimat zu ziehen, in ein kleines Dorf in dem jeder jeden kennt und Oma und Opa nur wenige Meter entfernt wohnen. Mein Verstand versucht häufiger mir etwas anderes vorzumachen, wenn ich interessante Dinge auf Instagram sehe oder darüber nachdenke, was man gerade alles in der Stadt hätte tun können. Mein Herz weiß es allerdings besser. Es weiß, dass hier in diesem kleinen Dorf unsere Wurzeln liegen und diese Wurzeln möchten wir auch unserem Kind geben.

Bei uns ist die Frage Stadt oder Land deshalb nicht ganz richtig, weil Land eher Heimat heißen müsste. Lu sieht ihre Großeltern fast jeden Tag und ich weiß nicht wer die Situation mehr liebt: Lu oder Oma und Opa. Nebenher haben wir als Eltern dadurch natürlich auch mal die Gelegenheit ein bisschen Zeit zu zweit zu verbringen. Natürlich war das auch ein großer Punkt auf unserer Liste, der für das Leben auf dem Land stand, aber ich hätte nie gedacht, wie glücklich es mich selber machen würde, zu sehen wie toll das Verhältnis zwischen meinem Kind und meinen Eltern ist.
 
 
Dafür, dass wir den perfekten Babysitter haben, nehmen wir natürlich andere Unannehmlichkeiten in Kauf. Der Papa muss weiter zur Arbeit fahren und auch sonst benötigen wir für vieles ein Auto: zum Einkaufen, zum Arzt, zur Spielgruppe ohne Auto geht auf dem Land einfach nichts. Andererseits leben wir in einer riesigen Wohnung mit Balkon und Garten plus Garage und zahlen dafür im Vergleich zur Stadt nur sehr wenig.
 
Natürlich vermisse ich die Annehmlichkeiten der Stadt, da kann man so spontan irgendetwas Unternehmen, weil alles schnell erreichbar ist. Trotzdem fühle ich mich nie wirklich wohl wenn wir mit Lu z.B. in Köln sind. Ich kann gar nicht genau beschreiben woran es liegt, aber ich bin dann einfach unentspannt. Zu viele Menschen, zu viele Autos, zu laut und zu schmutzig. Vermutlich liegt es einfach nur daran, dass ich selbst nicht so aufgewachsen bin und mir auch für mein Kind kein Leben in der Stadt vorstellen kann.
 

Das macht das Leben auf dem Land für Lu schön:
 
Lu fährt mit Opa mit dem Traktor und beide haben dabei unheimlich viel Spaß.
Lu sieht beim Spazierengehen sehr viele Tiere und freut sich besonders wenn sie Pferde, Kühe oder Enten beobachten kann.
Lu macht mit Mama und Papa Fahrradtouren im Fahrradanhänger.
Lu geht mit Mama in Nachbarsgarten Brombeeren pflücken oder Pflaumen oder Äpfel, aber am liebsten Birnen.
Lu setzt sich mit Mama auf die Bordsteinkante und beide essen genüsslich eine Birne.
Lu steht am Bäckerauto und bekommt ein Brötchen geschenkt (jedes Mal).
Lu geht mit Mama durchs Dorf, jeder kennt sie und erzählt ihr irgendwas (ok, dass kann auch schon mal nervig sein).
...
 


Ich hoffe, dass sie unsere Entscheidung versteht wenn sie etwas älter ist und es als Gewinn ansieht auf dem Land groß geworden zu sein und es nicht als Einschränkung empfindet. Sicherlich zieht es auch sie irgendwann in die große, weite Welt und ich bin schon gespannt wohin ihr Leben sie alles bringen wird und ob sie irgendwann die gleiche Sehnsucht nach ihrer Heimat verspürt wie wir.
Wobei ich auch gestehen muss, dass wir uns immer noch ein kleines Hintertürchen offen lassen wollen, vielleicht zieht es auch uns irgendwann noch einmal in die Stadt.


Ich glaube nicht, dass dieser Post jemandem etwas bringt, der vor der Entscheidung steht ob er in der Stadt oder auf dem Land leben soll. Aber wenn ich einen Tipp geben darf, dann würde ich auf jeden Fall sagen: hört auf euer Herz bzw. Bauchgefühl. Gute Gründe auf dem Land oder in der Stadt zu leben gibt es auf beiden Seiten und mit einer reinen Verstandsentscheidung wird man meiner Meinung nach nicht glücklich.

Oder was denkt ihr? Liege ich falsch? Ich freue mich von euren Erfahrungen zu lesen.

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